Unterwegs in den „Günzburger-Gemeinden“ – Lörrach

Ein Netzwerk entsteht – damals wie heute

Was verbindet Breisach, Eichstetten, Emmendingen, Efringen-Kirchen, Ihringen, Lörrach, Müllheim, Sulzburg und Mackenheim im Elsass?

 

Dieser Frage widmet sich das Günzburger-Projekt des Blauen Hauses Breisach. Gemeinsam mit Museen, Archiven, Städten und Initiativen entsteht anlässlich des 300. Todestages von Josef Günzburger im Jahr 2027 eine Ausstellung über die Entstehung jüdischer Gemeinden am südlichen Oberrhein und ihre Verbindungen untereinander.

 

Ausgangspunkt des Projekts ist Josef Günzburger († 1727), Vorsteher der jüdischen Gemeinde Breisach. Als Vermittler zwischen jüdischen Familien und der Verwaltung des Markgrafen Karl Wilhelm förderte er die Ansiedlung jüdischer Familien in der Region und trug damit wesentlich zur Entstehung eines Netzwerks von Gemeinden bei, dessen Spuren bis heute sichtbar sind. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen deshalb nicht nur einzelne Orte, sondern ihre Beziehungen zueinander – Migration, Familiennetzwerke und gemeinsame Entwicklungen über Landes- und Konfessionsgrenzen hinweg.

 

Um diese Orte kennenzulernen und ihre Besonderheiten besser zu verstehen, besuchen wir seit letzter Woche alle beteiligten Gemeinden. Dabei geht es nicht nur um historische Quellen und Erinnerungsorte, sondern auch um die Menschen, die sich heute vor Ort für die Bewahrung dieses kulturellen Erbes engagieren. Aus den Begegnungen entstehen Gespräche, Fotografien und Filmaufnahmen, die später in die Ausstellung und ihre digitale Begleitung einfließen werden.

 

Den Auftakt machte am Freitag unser Besuch im Dreiländermuseum Lörrach. Museumsleiter Jan Merk nahm sich einen ganzen Nachmittag Zeit, um mit uns über die Geschichte der jüdischen Gemeinde Lörrach und ihre Bedeutung innerhalb des Günzburger-Netzwerks zu sprechen. Ein Grabsteinfragment aus der Sammlung des Museums und einstmals Teil des Alten Jüdischen Friedhofs stellte die Verbindung zum Begräbnisplatz her, den wir kurz zuvor zuammen besucht hatten. Dort trafen wir auch den Landesrabbiner Moshe Flomenmann. Im Gespräch mit ihm ging es um die Bedeutung jüdischer Friedhöfe als Orte der Erinnerung und des lebendigen kulturellen Erbes, mit einer aktiven jüdischen Gemeinde.

 

Auch in der Stadt selbst folgten wir den Spuren jüdischen Lebens: am Standort der ehemaligen Synagoge, an dem heute eine eindrucksvolle Tapeteninstallation an das verschwundene Gebäude erinnert, sowie an den Stolpersteinen für die Familie Beck und der Gedenktafel zur Deportation der Lörracher Jüdinnen und Juden am 22. Oktober 1940.

 

In den kommenden Wochen werden wir weitere Günzburger-Gemeinden besuchen und im Anschluss über unsere Begegnungen, Entdeckungen und die Entstehung der Ausstellung berichten. Wir freuen uns darauf, Sie auf diesem Weg mitzunehmen.

 

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