Unterwegs in den „Günzburger-Gemeinden“ – Sulzburg

Nach unserem Besuch in Lörrach führte uns die zweite Station unserer Reise durch die Günzburger-Gemeinden nach Sulzburg – einem Ort, dessen jüdische Geschichte bis heute besonders eindrucksvoll sichtbar geblieben ist.

 

Empfangen wurden wir von Kulturamtsleiterin Dr. Hanna Jegge, die uns zunächst die ehemalige Synagoge vorstellte. Anders als an vielen anderen Orten wurde das Gebäude während der Novemberpogrome 1938 nicht zerstört und gehört heute zu den bedeutendsten Zeugnissen jüdischer Geschichte am südlichen Oberrhein. Auch Bürgermeister Dirk Blens nahm sich Zeit für den Austausch und bekräftigte das große Interesse der Stadt an einer engen Zusammenarbeit im Rahmen des Günzburger-Projekts und mit dem Blauen Haus Breisach.

 

Sulzburg verfügt über außergewöhnlich gut erhaltene Erinnerungsorte. Dazu gehört auch die historische Mikwe unmittelbar neben der Synagoge, die normalerweise nicht öffentlich zugänglich ist und die wir im Rahmen unseres Besuchs besichtigen konnten. Wenige Schritte entfernt erinnert ein Stolperstein an Nathan Kahn. Auch die Gustav-Weil-Straße verweist auf einen der bedeutendsten jüdischen Orientalisten des 19. Jahrhunderts, der aus Sulzburg stammte.

 

Im Rathaus zeigte uns Hanna Jegge außerdem Objekte, die künftig auch für unsere Ausstellung eine wichtige Rolle spielen könnten: einen originalen Prototyp eines restaurierten Synagogenfensters sowie das historische Modell der Sulzburger Synagoge, das derzeit auf dem Dachboden des Rathauses aufbewahrt wird. Beide Objekte könnten ab 2027 Teil der Ausstellung werden und die Geschichte Sulzburgs anschaulich vermitteln.

 

Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch des jüdischen Friedhofs am Waldrand oberhalb der Stadt. Seine Lage in einem ehemaligen Feuchtgebiet hat dazu beigetragen, dass dieser außergewöhnliche Ort bis heute erhalten geblieben ist. Dort befinden sich unter anderem die Gräber der Rabbiner David Kahn und seines Sohnes Isaak Kahn. David Kahn kam vermutlich auf Vermittlung von Josef Günzburger nach Sulzburg und gilt zudem als wahrscheinlicher Verfasser der hebräischen Grabinschrift auf Günzburgers Grab in Breisach – ein eindrucksvolles Beispiel für die engen Beziehungen zwischen den Gemeinden.

 

Besonders bewegt hat uns auch die Erinnerung an die Menschen, die in den vergangenen Jahrzehnten die jüdische Geschichte Sulzburgs erforscht und lebendig gehalten haben. Die Vereine Freundeskreis der Synagoge Sulzburg und Jüdische Spuren in Sulzburg haben über viele Jahre hinweg eine beeindruckende Arbeit geleistet, Kontakte zu Nachfahren aufgebaut und zahlreiche Begegnungen ermöglicht. Mit dem Tod unserer langjährigen Weggefährtin Sybille Höschele, die viele Jahre in Sulzburg lebte und enge Beziehungen zu Familien in den USA pflegte, hat diese Arbeit einen schmerzlichen Einschnitt erfahren. Umso mehr freut es uns, dass uns Heide Spilker, die diese Erinnerungsarbeit ebenfalls maßgeblich mitgeprägt hat, an diesem Tag begleiten konnte. Ihr Wissen und ihre persönlichen Erinnerungen machten den Besuch für uns besonders wertvoll.

 

Die Gespräche in Sulzburg haben einmal mehr gezeigt, wie viel Wissen, Engagement und Erinnerungen in den einzelnen Gemeinden vorhanden sind. Das Günzburger-Projekt möchte diese Geschichten nicht ersetzen, sondern miteinander verbinden. Aus den einzelnen Orten entsteht so Schritt für Schritt ein gemeinsames Bild jüdischen Lebens am südlichen Oberrhein.

 

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