Unterwegs in den „Günzburger-Gemeinden“ – Emmendingen

Eine weitere Station unseres Filmprojekts zu den „Günzburger-Gemeinden“ führte unser Team nach Emmendingen. Carola Grasse, Vorsitzende des Trägervereins des Jüdischen Museums Emmendingen, und Dorothea Scherle nahmen uns mit in einen besonderen historischen Ort: Das Jüdische Museum befindet sich im ehemaligen Ritualbad der Israelitischen Kultusgemeinde und wurde 1997 eröffnet.

 

Das Gebäude gehörte einst zum Zentrum jüdischen Lebens rund um den Emmendinger Schlossplatz. Hier lebte ursprünglich der Synagogendiener mit seiner Familie. Im Untergeschoss befindet sich bis heute die historische Mikwe. Carola Grasse stellte uns die Ausstellung zu Ritualbädern vor, die 2017 eröffnet wurde. Sie geht unter anderem den Fragen nach „Was bedeutet ‚rituell rein‘ was ‚rituell unrein‘ – und welche Bedeutung hat die Mikwe im Judentum?“

 

Das Museum bewahrt zugleich zahlreiche Zeugnisse der Geschichte der jüdischen Gemeinde Emmendingens. Dazu gehört ein Dokument vom 15. Juli 1717 über den Erwerb des Geländes des alten jüdischen Friedhofs mit den dazugehörigen Friedhofsstatuten. Die Ausstellung spannt einen weiten Bogen von der Geschichte der jüdischen Gemeinde, die von 1716 bis 1940 bestand, bis zur heutigen jüdischen Gemeinde in Emmendingen.

 

Gerade dieser Bezug zur Gegenwart ist Carola Grasse wichtig: Das Haus versteht sich nicht allein als Museum zur Geschichte jüdischen Lebens. Seit seiner Eröffnung arbeitet der Trägerverein eng mit der heutigen Jüdischen Gemeinde Emmendingen zusammen. Diese Verbindung wird auch im gemeinsamen Veranstaltungsprogramm sichtbar – etwa beim Europäischen Tag der Jüdischen Kultur. Jüdisches Leben erscheint damit nicht nur als etwas Vergangenes und zu Erinnerndes, sondern als Teil der Gegenwart.

 

Eine wichtige Rolle spielt für die Mitarbeiterinnen des Museums die Vermittlungsarbeit. Dorothea Scherle zeigt uns die Medienstation, die, in einem Koffer untergebracht, das Gedenkbuch des Museums zugänglich macht. Beim Besuch unseres Filmteams zeigt Dorothea Scherle darin auch ein Schulfoto von Else Pripis-Geismar, geboren 1923. Das junge Mädchen stammt aus einer Breisacher jüdischen Familie.

 

So führt die Spur von Emmendingen am Ende auch wieder nach Breisach zurück – und zeigt, wie eng die Geschichten der jüdischen Gemeinden am Oberrhein miteinander verbunden sind.

ARTIKEL TEILEN: