Unterwegs in den „Günzburger-Gemeinden“ – Efringen-Kirchen
In Efringen-Kirchen führte der Weg unseres Filmteams zunächst zum Platz der ehemaligen Synagoge der jüdischen Landgemeinde Kirchen. Begleitet wurden wir von Marion Caspers-Merk, Sprecherin des „Arbeitskreises Stolpersteine Efringen-Kirchen“, und Dr. Maren Siegmann, der ehemaligen Leiterin des Museums in der „Alten Schule“. Auch eine Journalistin der Oberbadischen und weitere Aktive des Arbeitskreises haben sich unserer Tour angeschlossen.
Heute erinnert ein Gedenkstein an die ehemalige Synagoge und an die Menschen, die einst zur jüdischen Gemeinde gehörten. Eine weitere Gedenktafel nennt die Namen derjenigen, die zwischen 1933 und 1943 vertrieben oder ermordet wurden.
Im Anschluss versammelten wir uns an den Stolpersteinen für die Familie Moses in der Basler Straße 49. Marion Caspers-Merk berichtete über die Arbeit des Arbeitskreises und darüber, wie sich die Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte in Efringen-Kirchen schon früh über das Gedenken an die Verfolgten hinaus entwickelte. Der damalige Bürgermeister Horst Dierkes habe Überlebende der Shoah nach Efringen-Kirchen eingeladen und damit persönliche Begegnungen ermöglicht. Darin sieht Caspers-Merk einen wichtigen Grundstein für die heutige Erinnerungskultur – und für die Verpflichtung, aus der Geschichte Konsequenzen für die Gegenwart zu ziehen.
Wie jüdische Geschichte heute auch außerhalb eines Museums vermittelt werden kann, zeigte uns Maren Siegmann. Efringen-Kirchen gehört zu den Orten, die im Angebot „Stadt Land Kultur“ von www.museum.de vertreten sind. Der Ort wird dabei gewissermaßen selbst zum Museum: Ein digitaler Spaziergang führt zu verschiedenen Stationen jüdischer Geschichte und macht historische Spuren im heutigen Ortsbild zugänglich.
Ein Ziel dieses Rundgangs war auch der jüdische Friedhof, den unser Filmteam besuchte. Der Weg dorthin führte uns an diesem warmen Sommernachmittag durch eine Baumallee bei einer ungewöhnlichen herbstlichen Stimmung.
Auf dem Friedhof begegneten uns weitere Spuren der Geschichte: Neben erhaltenen Grabsteinen zeugen auch zerschlagene und beschädigte Grabmale von der Zerstörung und dem Umgang mit dem jüdischen Erbe.
So erlebten wir in Efringen-Kirchen unterschiedliche Formen des Erinnerns: den Gedenkstein am ehemaligen Synagogenstandort, die Stolpersteine im heutigen Ortsbild, digitale Wege der Vermittlung und schließlich den jüdischen Friedhof als historischen Ort. Gemeinsam machen sie die Geschichte der ehemaligen jüdischen Landgemeinde sichtbar und schlagen eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.