31.01.2020

Die Rheinbrücke in Breisach

Der letzte Blick auf die Heimat der badischen Deportierten nach Gurs am 22./23. Oktober 1940

 

Im Jahr der 80. Jährung der Deportation der badischen und saarpfälzischen Juden in das südfranzösische Internierungslager Gurs am Rand der Pyrenäen untersuchen die Autoren Dr. Bernd Hainmüller und Dr. Christiane Walesch-Schneller in ihrem Artikel „Die Rheinbrücke in Breisach. Der letzte Blick auf die Heimat der badischen Deportierten nach Gurs am 22./23. Oktober 1940“ die Frage nach dem Weg, den die Züge mit den Verhafteten genommen haben.

 

In der historischen Forschung besteht Einigkeit hinsichtlich der Fahrroute ab Mulhouse, das zu einem Sammelpunkt wurde.

Alle neun Züge, die beiden linksrheinisch geführten mit den saarpfälzischen Juden und die sieben rechtsrheinisch geführten Züge mit den badischen Juden, fuhren von Mulhouse ab über Dijon zum Grenzpunkt Châlon-sur-Saône an der Demarkationslinie von besetztem Elsass und der „Zone libre“, in der die mit den Nationalsozialisten kollaborierende Vichy-Regierung den „Französischen Staat“ ausgerufen ? hatte. Die Route lief über Lyon, Nimes, Narbonne, Toulouse und Pau und endete in Oloron-Sainte-Marie. Von dort aus wurden die Deportierten mit Lastwagen ins Lager Gurs gebracht.

 

Gedenkstätten und verschiedene Autoren kommen zu unterschiedlichen Schlüssen hinsichtlich der Frage, über welche der Rheinbrücken die Züge ins annektierte Elsass fuhren.

Drei Rheinbrücken kommen in Betracht, die Brücke zwischen Kehl und Strasbourg, die zwischen Breisach und Colmar und die zwischen Neuenburg und Chalampé.

 

Da es bisher keine Transportdokumente als Quellen gibt, stützen sich die Autoren auf 1. Augenzeugenberichte von Deportierten, die darüber berichtet haben, und 2. auf eine Analyse des Zustands der Rheinbrücken im Oktober 1940.

 

Es werden elf der Deportierten zitiert, die berichten, dass sie von Freiburg nach Westen fuhren und die Brücke bei Breisach überquerten. Interessant ist dabei, dass zwei sehr junge Deportierte, Rolf Weinstock aus Emmendingen und Manfred Wildmann aus Phillipsburg, sogar ein Detail nennen, das unzweifelhaft zu der 1939 zerstörten und 1940 reparierten Brücke bei Breisach gehört.

Manfred Wildmann lebt 90jährig in Californien und erst im Dezember 2019 hat seine Familie diesen Bericht bestätigt (der schlechte Gesundheitszustand von M. Wildmann erlaubte kein Interview mit ihm).

 

Aus einer Tabelle, die die Zerstörungen der oberrheinischen Rheinbrücken und ihre Wiederherstellung 1940­–1941 auflistet, ist ablesbar, dass zum Zeitpunkt der Deportation am 22./23. Oktober 1940 nur die Breisacher Rheinbrücke für den Zugverkehr wiederhergestellt war. Zahlreiche Fotos im Stadtarchiv Breisach am Rhein belegen diese Situation eindrucksvoll; die Wiedereinweihung am 25. Juli 1940 wurde von den Nazis gefeiert.

Die Stadtarchive Kehl und Neuenburg bestätigten dieses Forschungsergebnis.

 

Der Artikel steht hier zum Download zur Verfügung.

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