04.09.2022

Ausstellung „Die Wolfkehls in Kiechlinsbergen“

DIE WOLFKEHLS IN KIECHLINSBERGEN
Ausstellung mit Gedichten von Karl Wolfskehl (1869 Darmstadt – 1948 Neuseeland)
und Holzschnitten von Brigitte v. Savigny

Zur Präsentation gehören unter anderem Fotografien des Familiensitzes in Kiechlinsbergen, literarische Werke von Karl Wolfskehl und audiovisuelle Passagen aus Briefen der Tochter Judith, verheiratete Köllhofer, an ihren Vater ins Exil.

 

Öffnungszeiten:

Sonntag, 4.9.2022
(Europäischer Tag der Jüdischen Kultur): 12 – 17 Uhr

15.00 Uhr Vernissage
Begrüßung Dr. Christiane Walesch-Schneller
Einführung in die Ausstellung Dr. Brigitte von Savigny
Gedichte von Karl Wolfskehl
gelesen von Josef Köllhofer und Heinzl Spagl

 

Mittwoch, 7. September 2022: 14 bis 17 Uhr

Sonntag, 11. September 2022
(Tag des Offenen Denkmals): 12 bis 17 Uhr

 

Mittwoch, 14. September 2022: 14 bis 17 Uhr

 

Sonntag, 18. September 2022: 12 bis 17 Uhr

 

 

Das Projekt wurde gefördert durch ein Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft,
Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

Die Wolfskehls in Kiechlinsbergen.

Erinnerungen an Karl Wolfskehl

Der Dichter Karl Wolfskehl wurde 1869 in Darmstadt geboren und wuchs in großbürgerlichem, liberal-jüdischem Milieu auf. Er stammte aus einer der ältesten deutsch- jüdischen Familien.

 

Er studierte Altgermanistik und Religionswissenschaft in Gießen und Berlin. Nach seiner Heirat mit Hanna de Haan (1876 -1946) zog er nach München, wo er zum Kreis um Stefan George gehörte.

 

Ihn faszinierte die zeitgenössische Malerei von Franz Marc, Paul Klee, Kubin und Kandinsky. In Wolfskehls Schwabinger Haus und seit 1918/19 auf dem Landgut in Kiechlinsbergen (ehemalige Propstei des Klosters Tennenbach) trafen sich namhafte Vertreter der Kunst, Literatur und Philosophie.

 

Während Hanna Wolfskehl (1876 – 1946) und die jüngere Tochter Judith (1901 – 1983) mit ihrem Mann Bernhard Köllhofer den Obst-und Weinanbau betrieb, war Karl Wolfskehl in München für verschiedene Verlage als Essayist, Übersetzer und Herausgeber zu den Themen Sprache, Dichtung, Mythologie und Zeitkritik tätig. Heute ist dieses Werk nahezu vergessen.

 

Nachdem er von allen Engagements und dem von ihm gegründeten Rotary-Club ausgeschlossen wurde, verließ er 1933 Deutschland um sich in der Schweiz, in Italien und dann – fast erblindet – 1938 in Neuseeland niederzulassen. Zur Finanzierung seiner Flucht verkaufte er 1937 seine in Kiechlinsbergen untergebrachte über 8000 Bände fassende Bibliothek an den Verleger Salman Schocken. Eine Rückkehr zur Familie scheiterte. Wolfskehl lebte 10 Jahre im fernen Exil unter menschlicher und intellektueller Beraubung. Er verstarb am 30.6.1948 in Auckland.

 

Abgelegen im Talkessel, spielte das Landgut während des Krieges eine bedeutende Rolle als Herberge und Zufluchtsort. Der massive Gewölbekeller bot den Dorfbewohnern Schutz und Raum für Gottesdienste. Erst 1945 war ein internationaler Postverkehr ohne Zensur mit der Heimat wieder möglich. In Wolfskehls umfangreicher Exilkorrespondenz existieren ergreifende Briefe an Hanna und die Töchter Judith und Renate voller Erinnerungen an Kiechlinsbergen, Hoffnung aber auch Schmerz über alles Geschehene.

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